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Manchmal ist eine Auszeit die Rettung

breathe by blogged with milk tea

Manchmal ist eine Auszeit die Rettung.

Ich wache auf und putze mir die Zähne, dusche. In der Küche wartet mein Frühstück auf mich im Kühlschrank. Ein Joghurt, ein Glas Saft. Ich fühle mich erschöpft, ausgelaugt ohne Kraft - ohne Motivation. Das Frühstück lasse ich dann aus und trinke nur einen Kaffee. 

Es fühlt sich alles immer noch gleich an. Jeder Morgen fühlt sich gleich grau an. 
Auch der Geruch im Bus trägt zu dieser miesen Stimmung bei. An jeder Haltestelle steigen Menschen ein. Mal ist es eine alte Dame mit ihrem Rollator, mal ein Vater mit seinem Kind. Wahrscheinlich bringt er das Kind zu einer Bildungsstätte. An der nächsten Haltestelle steigen dann einige Bauarbeiter ein, an der folgenden Schüler mit ihren übergroßen Rucksäcken. Die alte Dame rümpft ihre Nase. Im Bus riecht es nach Schweiß, nach kaltem Rauch, nach Parfüm welches an Tante Emmas Gardine erinnert. Lautes Quatschen der Kinder kommt hinzu, welches noch übertönt wird durch die Musik aus den Kopfhörern eines anderen Passagiers. Gut, dann kann ich meinen Akku ruhen lassen, schließlich ist es möglich bereits woanders Musik mitzuhören, obwohl diese nicht meinem Geschmack entspricht. Mir fällt auf: keiner grüßt, keiner lacht.
Mit jedem Meter wird mir deutlicher bewusst, dass es mir schlecht geht. Vielleicht liegt es am Fahrstil des Busfahrers, vielleicht liegt es an den verschiedenen Gerüchen welche sich zu einer schweren Paste in der Luft mischen, welche sich dann wie ein schwerer Schal um den Hals schnürrt. Nur dann wenn die Tür des Busses sich für einen kurzen Moment öffnet, strömt eine leichte frische Brise hinein. Das ist der Moment zum einatmen, um im Anschluss die Luft wieder anzuhalten. 

Angekommen an der Zielstation steige ich erleichtert aus dem Bus aus und setze einen Fuß vor den anderen. Wieso fallen mir die Schritte so schwer, als hätte jemand mir Gewichte umgebunden? Nicht solche wie  im Fitnessstudio um die Belastung zu erhöhen, mit dem Ziel, dass eine stetige Steigerung der Belastung zu einem größerem Kraftaufwand führt welcher letztlich die Muskeln formt. Am Ende einer Trainingseinheit ist es dann möglich die Gewichte abzunehmen. Die Gewichte an meinen Füßen fühlen sich jedoch nicht abnehmbar an. Vielmehr krallen sie sich immer fester und fester an meine Beine und scheinen langsam nach oben zu wandern. 
Angekommen um zu Arbeiten verfliegt die Zeit wie im Handumdrehen. Bevor ich mich versehe sitze ich wieder in einem Bus auf dem Weg nach Hause. Das Spiel von heute Morgen fängt wieder von vorne an. Als hätte jemand auf die Wiederholungstaste gedrückt und vergessen diese loszulassen. 

Manchmal ist eine Auszeit die Rettung.

Eine Auszeit von allem was uns bedrückt, was uns Kraft raubt, was uns als lebensnotwendig erscheint. Ein Mal zurücklehnen, an nichts denken, nichts sagen, nichts machen. Wir müssen einmal raus, ein Mal wieder lachen. Nicht das 1,2,3 Lachen, nicht das permanente Lachen, sondern von Herzen aus dem Moment für uns und für niemanden sonst.
Ein Mal wieder zu Kräften kommen um wieder mit Motivation und Freude in den Tag zu starten. Nur so ist es möglich die Welt wieder bunt zu sehen und nicht grau.

Eine Auszeit zum Atmen.


Kommentare:

  1. So ähnlich geht es mir gerade ebenfalls. Dadurch dass ich jeden Tag zur Arbeit pendeln muss bin ich mindestens 10 Stunden aus dem Haus und das schlaucht einfach total. Ich freue mich auf meinen Urlaub Ende August dann wird endlich entspannt :)

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  2. Ich glaube, das ist ein Zustand, den jeder kennt, jeder schon mal erlebt hat. Der Punkt, an dem man begreift, dass man selbst unbedingt Ferien braucht oder raus muss aus dem Trott, der kaputtmacht. Irgendwie.
    Pass auf dich auf. Irgendwann wird es besser.
    (Geschrieben von Einer, die Busfahren auch hasst wie die Pest und allein heute wieder eeeeinige "tolle" Geschichten zu erzählen hätte...)

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  3. Oh ja das stimmt. Und echt schlimm, wenn man so sieht, wie tief manche da schon drinnen stecken und es selbst nicht mal wirklich realisieren. Schön und gut, dass man vielleicht mal dem Alltag entfliehen und seine eigene Welt erschaffen will, die einem super gut gefällt. Aber wie dabei manche dann sind und ganz auf die Realität vergessen, das ist einfach furchtbar und echt traurig.
    Hahahahahahaha Jetzt wo du es erwähnst...Erinnert wirklich stark daran. ;)
    Zu dem Beitrag wurde ich inspiriert, als mir bei einem Rollenspiel wo ich angemeldet bin gesagt wurde ich solle mich zwischen dem Spiel und meiner Familie in RL entscheiden, da war es für mich klar was mir wichtiger ist. Mann und Kind gehen immer vor und nichts kann so wichtig sein, dass man seine reale Familie in den Sand setzt. Es hat mich einfach auch schockiert, weil ich mir nie gedacht hätte, dass jemand so arg in einem virtuellen Leben festsitzen kann, dass er auf solche Ideen kommt...

    Was die Auszeit betrifft so hast du recht. Wir führen so ein schnelllebiges Leben. Ab und an hat man einfach wirklich genug und fragt sich ob man es noch schafft. Da hilft eine Auszeit wirklich sehr gut. ;) Die braucht man einfach mal. Tief durchatmen, entspannen und an nichts denken müssen. ;)

    LG
    Renesmee
    TENZMEELOVES

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  4. Ich kenne das Gefühl. Gut so gar. Ich verlasse mein Haus eigentlich nur, um alle anderen zur Arbeit, zum Kindergarten, zu Freunden zu fahren. Danach arbeite ich von zu Hause aus, schmeißen den Haushalt und kümmere mich ums Essen... Atmen wäre mal wieder schön. 2 Stunden keine Verpflichtungen haben auch. Eine Kleingkeit würde schon reichen, damit ich neue Kraft tanken kann.

    Genau diese Kleinigkeit wünsche ich dir übrigens auch. Was auch immer es ist, das Minimum quasi, dass dir ein besseres Gefühl beschafft: Gönn es dir!

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  5. Ich kann deine Gedanken und Gefühle sehr gut nachvollziehen. Anfang des Jahres ging es mir ganz genauso. Seelische und körperliche Erschöpfung bis zu dem Punkt, an dem es nicht mehr weiterging. Dann habe ich einen Strich gezogen und jetzt geht es mir viel, viel besser.

    Deswegen: Kopf hoch, durchatmen. Schau, wie du dich entspannen kannst und wie du Zeit und Raum zum atmen findest. Gönn dir deine Ruhe und pass auf dich auf! Es wird wieder besser.

    (Auch wenn das Thema sehr schwer und eher unangenehm ist: Dein Text ist ganz toll geschrieben!)

    Liebe Grüße

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  6. Wunderbar geschrieben und sehr wahr.

    Liebe Grüße,
    Liz

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  7. Das was du beschreibst, kommt mir häufig bekannt vor. Gerade die Szene, die du im Bus beschreibst. Es ist tatsächlich so, dass in der Öffentlichkeit jeder seinen Weg geht, kein Lächeln, kein Grüßen. Alle gucken grimmig und sie sprühen keine Freude aus.

    Ich denke, diesen Eindruck werden die meisten in unserer heutigen Gesellschaft bestätigen können. Und dabei liegt es in unseren Händen dies zu ändern. Öfters mal lächeln, das macht einiges einfacher.

    Generell sollte man wirklich aufpassen, wenn man den Eindruck hat, dass man überfordert ist, dass jeder Schritt eine Qual ist. Dann ist eine Auszeit wirklich dringend notwendig, bevor der Körper für einen entscheidet....

    Liebe Grüße,

    Mimi

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  8. Dein Beitrag ist wirklich interessant Schön, dass du das mit uns mitteilst. Dein Blogdesign ist übrigens voll schön :)

    xx
    beauthi.blogspot.com

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  9. Oh ja eine Auszeit ist manchmal wirklich nötig !

    Liebe Grüße
    Melanie von Glitter & Glamour

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  10. Oha eine Auszeit - ich denke das braucht jeder mal. Das hast du auch wirklich super schön geschrieben :)

    MISS ✖ POUPETTE

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